Berlin Pilot ist ein im Entstehen begriffener, ausführlicher Stadtführer, der nützliche Informationen und Tips für diejenigen gibt, die sich in der Stadt zurechtfinden wollen oder müssen. Wir veröffentlichen einen Überblick an Beratungsstellen, Infos zu den Themen Asyl- und Aufenthaltsrecht, Kultur, Zugang zu Bildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten und viele praktische Tips.
Für in Berlin lebende Flüchtlinge und MigrantInnen gibt es ein großes und breit gefächertes Beratungsangebot. Allerdings hat die Erfahrung der Projektmitarbeitenden gezeigt, dass der Zugang zu den Beratungseinrichtungen und -initiativen, die vorhanden sind, manchmal fehlt.
Die meisten darauf angewiesenen Personen wissen schlicht nicht, welche Rechte und Möglichkeiten sie haben, geschweige denn, wer ihnen bei vielen ihrer Fragen helfen könnte. Neuangekommene brauchen aber, ebenso wie hier schon länger Lebende Orientierung und Anlaufstellen für spezifische Belange. Nach dem Vorbild des Hamburger Navigators (http://www.navigator-hh.de) soll deshalb ein Berliner Stadtführer speziell für Flüchtlinge und MigrantInnen entstehen, der vor allem denjenigen, die sich erst seit kurzem in Berlin aufhalten, als eine Art Leitfaden dienen kann: Eine Art „Navigationshilfe“ für all jene, die sich hier weder geographisch noch politisch, weder in kulturellen noch in sozialen oder wie auch immer sonst gearteten Fragen auskennen, die aber trotzdem in Berlin leben wollen oder leben müssen.
Der Verein ‚Berlin-Pilot – Stadtführer für Flüchtlinge und MigrantInnen’ will ein "Willkommen" aussprechen an all diejenigen, die neu in Berlin sind. darüber hinaus soll ein Zurechtfinden so leicht wie möglich gemacht werden. Die Erfahrungen mit dem Hamburger Stadtführer für Flüchtlinge und MigrantInnen haben nachdrücklich ergeben, dass ein solches Handbuch immer wieder auf die Inanspruchnahme von Beratung hinweisen muss; er kann und will von der Beratungsqualität und -quantität nicht mit der Tätigkeit der bestehenden Beratungseinrichtungen konkurrieren. Gerade die rechtliche Problematik ist sehr komplex und in ständiger Veränderung begriffen.
Der Verein 'Berlin Pilot – Stadtführer für Flüchtlinge und MigrantInnen’ versteht sich daher als eine Art Vermittler: er will einen Überblick geben über das das bereits bestehende öffentliche und private Beratungsangebot.
In die Tätigkeit des Vereins fließt das Wissen von Flüchtlingen und MigrantInnen durch Mitarbeit und Zusammenarbeit ein, so dass Korrektur und Überprüfung der Inhalte gewährleistet sind. Weiterhin bemühen wir uns um einen stetigen Austausch mit Beratungseinrichtungen.
Die Mitglieder des Vereins verbindet eine grundlegende Überzeugung: Gerade in Zeiten, in denen sich der Staat aus der Verantwortung gegenüber sozial schwächer gestellten Menschen – d.h. auch gegenüber Flüchtlingen und MigrantInnen – zurückzieht und sich der sozio-politische Diskurs zunehmend zum Nachteil dieser Personengruppe an Sicherheitserwägungen orientiert, ist es wichtig, sich zivilgesellschaftlich zu organisieren.
Der Berlin-Pilot richtet sich grundsätzlich an alle Flüchtlinge und MigrantInnen in Berlin, die auf Hilfe angewiesen sind, unabhängig von ihrem Status.
Der Schwerpunkt liegt jedoch nicht auf Informationen für EU-BürgerInnen, da hier aufgrund der rechtlichen Gegebenheiten die zu behandelnden Problemkomplexe wesentlich anders gelagert sind.
In Berlin leben nach offiziellen Zahlen etwa 440.000 Personen ohne deutschen Pass (vgl. Statistisches Landesamt Berlin, Nichtdeutsche Einwohner in Berlin nach ausgewählter Nationalität bzw. Herkunftsgebiet, 2003). Die offiziell größte Gruppe stammt aus der Türkei (etwa 122.000 Menschen) gefolgt von einer hohen Anzahl von Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien (etwa 55.000; vor allem bosnischer und serbisch-montenegrinischer Abstammung).
Zählt man die inoffiziell in Berlin lebenden MigrantInnen dazu, ergibt sich insgesamt eine erheblich höhere Zahl.
In Berlin gibt es bisher keinen umfassenden Ratgeber, der sich speziell aus migrantischer Perspektive direkt an die Zielgruppe richtet und der zudem in verschiedenen Sprachen geschrieben ist.
Viele können zwar auf hilfreiche Ratschläge und Unterstützung aus bestehenden Netzwerken zurückgreifen, diese Informationen sind aber nicht immer aktuell, v.a. bei rechtlichen Hinweisen ist es wichtig, dass eine fachkundliche Beratung aufgesucht wird.
Es existiert bislang noch keine Initiative wie das Projekt ‚Berlin-Pilot – Stadtführer für Flüchtlinge und MigrantInnen’. Zwar gibt es eine Vielzahl von Broschüren, Aushängen, Faltzetteln etc., die Informationen zu einzelnen Themenkomplexen, die Flüchtlinge und MigrantInnen betreffen, aufbereiten; die weitaus meisten dieser Infoblätter sind jedoch in deutscher Sprache verfasst. Es handelt sich häufig um reine Adressenverzeichnisse, die z.B. vom Berliner Flüchtlingsrat herausgegeben werden (www.fluechtlingsrat-berlin.de). In dieser Form sind sie zumeist für Flüchtlinge und MigrantInnen nicht hilfreich, da eine Einbettung in einen Kontext fehlt. Erforderlich wäre hier eine Strukturierung, Beschreibung und Auswahl des Angebots.
Nach dem „Pilotprojekt“ in Hamburg haben sich mittlerweile auch in anderen Städten (z.B. Halle a.d. Saale) und im Ruhrgebiet Initiativen für ähnliche Stadtführer-Projekte gebildet. Auch die Bundesregierung hat den Informationsbedarf der neu eingetroffenen Flüchtlinge und MigrantInnen erkannt: Das von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration auf Bundesebene herausgegebene "Handbuch für Ausländer" (www.handbuch-deutschland.de), das erstmalig 2003 in englisch, französisch, spanisch, russisch und türkisch erschienen ist, gibt einen ersten Überblick über die rechtliche Situation und das Leben und Arbeiten in Deutschland. Dieses Handbuch ist derzeit auf den meisten Sprachen bereits vergriffen, was auf einen hohen Bedarf an Informationen hinweist.
Der Inhalt des ‚Berlin-Pilot – Stadtführer für Flüchtlinge und MigrantInnen’ soll sich strikt an den Bedürfnissen der Zielgruppe orientieren.
Gefragt ist demnach nicht die ausufernde Selbstdarstellung einzelner Beratungseinrichtungen. Vielmehr geht es um kurze, verdichtete Einführungen in verschiedene Themenbereiche mit anschließendem Überblick auf in diesen Bereichen qualifiziert arbeitenden Beratungseinrichtungen, die dann wiederum als Multiplikatoren fungieren können. Dabei wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben, sondern die Auswahl orientiert sich an Erfahrungen, die sich aus Umfragen ergeben haben.
Aus der Arbeit des Vereins Navigator Hamburg und dem Austausch mit NutzerInnen haben sich die folgenden Kernthemen herauskristallisiert, die in den Stadtführer aufgenommen werden sollen:
Recht: Grundlagen des Rechtsstaatsprinzips / Überblick über die wesentlichen Grundzüge des Asyl- und Ausländerrechts, insbes. Aufenthaltrecht / Information zu Visaregelungen/ Hinweise zum Umgang mit Behörden und Anwälten / Verweis auf qualifizierten Beratungseinrichtungen und anwaltlichen Notdienst/ juristisches Glossar
Gesundheit: Überblick über die Angebote für Flüchtlinge und MigrantInnen / Verweis auf allgemeine medizinische Einrichtungen sowie spezialisierte Betreuungsstellen (z.B. Unterstützung für Folteropfer; Aidshilfe, alternative Medizin) und ärztlichen Notdienst / ärztliche Versorgung ohne gültige Papiere?
Wohnen: Überblick über die geltende Rechtslage / Ratschläge zur Wohnungssuche und zur gängigen Mietpraxis / Verweis auf besondere Einrichtungen (Wohnheime, z.B. für Frauen, Jugendliche oder Obdachlose) sowie auf Beratungsstellen und Mietervereine
Arbeit, Aus- und Weiterbildung: Überblick über die geltende Rechtslage; insbes. Arbeitserlaubnis / Hinweis auf bereits bestehende Angebote in den Bereichen Bildung und berufsqualifizierende Maßnahmen für Flüchtlinge und MigrantInnen; insbes. Deutschkurse / Verweis auf besondere Beratungseinrichtungen
Migrationsgeschichte: Kurzer Abriss über Migrationsgeschichte der letzten 100 Jahre. Möglichkeit der eigenen Verortung in der hiesigen Gesellschaft unter Bezugnahme auf diese Geschichte in Deutschland (Ost + West).
Kultur: Hinweise auf Kulturzentren und Stadtteiltreffs, auf in diesem Bereich aktive Gruppen oder besondere Veranstaltungen, Bibliotheken; Tipps zur Erlangung von Ermäßigungen, etc.
Religion: Hinweise zur Bedeutung der Religion in der BRD und zu kirchlicher Flüchtlingsarbeit; Überblick über die verschiedenen religiösen Gemeinschaften in Berlin
Ehe und Familie: Familienzusammenführung, bikulturelle Partnerschaften, rechtliche Informationen zu Ehe und Lebenspartnerschaft
Frauen: Rolle der Frau in der BRD; Überblick über frauenspezifische Themenfelder („geschlechtsspezifische Verfolgung“, Prostitution, Beschäftigung als Haushaltshilfe, Schwangerschaft, Gewalt in der Partnerschaft); Hinweise auf speziellen Beratungseinrichtungen und Anlaufstellen (z.B. Frauenhäuser)
Kinder und Jugendliche: Überblick über die besondere Rechtslage bei minderjährigen Flüchtlingen, insbes. Schulbesuch / Hinweise auf spezielle Anlaufstellen, Unterbringungsmöglichkeiten, günstige Sport- und Freizeitangebote
Homosexuelle: Überblick über die geltende Rechtslage; Hinweise auf spezielle Initiativen und Beratungseinrichtungen, Treffpunkte
Politische Initiativen und Selbsthilfegruppen: Überblick über die verschiedenen Gruppen und Vereine und ihre Aktionsschwerpunkte
Praktische Tipps: Bus & Bahn / günstige Einkaufsmöglichkeiten / Kostenlos/ Alkohol / Internet-Cafés / Kleidung / Leben mit Behinderungen / Polizei / Telefonieren / Zeitungen und Medien u.a. / Gratisangebote
Der Text wird ergänzt durch fotografische Abbildungen verschiedener Einrichtungen und kleinere Auszüge aus dem Berliner Stadtplan sowie einem voraussichtlich nach Stadtteilen gegliederten, umfassenden Adressenregister.
Zu den kurzen thematischen Einführungen wird jeweils ein Überblick über qualifizierte Beratungseinrichtungen gegeben. Diese können als Multiplikatoren auf weitere Beratungsstellen verweisen. Ziel dieser Reduktion ist es, die BenutzerInnen nicht mit ungefilterten Informationen zu überfluten, sondern zu ermutigen, die geeignete Beratung aufzusuchen.
Eine grundlegende Idee für die Gestaltung des ‚Berlin-Pilot – Stadtführer für Flüchtlinge und MigrantInnen’ ist dabei, die maßgeblichen Themenkomplexe in verschiedenen Sprachen in parallelen Spalten auf einer Seite in einem Buch zu behandeln. Auf diese Weise soll ermöglicht werden, dass der "Berlin-Pilot" in der Praxis auch unter Personen ohne gemeinsame Sprache als Verständigungsmedium funktionieren kann.
Die Auswahl der Sprachen orientiert sich an der Einwohnerstatistik ergänzt durch Experteneinschätzungen zur aktuellen und absehbaren Migrationssituation (s.o.). Demnach findet eine Übersetzung voraussichtlich in folgende Sprachen statt: türkisch, serbokroatisch, arabisch, englisch, spanisch, französisch und evtl. russisch.
Der ‚Berlin-Pilot' wird eine klare und optisch leicht
verständliche Gliederung erhalten, so dass bereits visuell ein schneller Zugang und ein rasches Auffinden der maßgeblichen Information ermöglicht wird. Dies wird ergänzt durch eine möglichst genaue Formulierung des Textes.
Der Berlin-Pilot soll auch online verfügbar sein. Hier bietet sich die Möglichkeit regelmäßiger Updates des in der Printausgabe aufgeführten Angebots. Darüber hinaus sollen dort weiterführende Hinweise zu finden sein, z.B. spezifische Informationen für einzelne Sprach- Communities. Desweiteren sind in der Onlineausgabe Übersetzungen in zusätzliche Sprachen möglich.
Die Umsetzung des Projekts sollte in einem zeitlich absehbaren Rahmen von ca. zwei Jahren realisiert werden, vor allem auch, um die recherchierten Informationen nicht ihrer Aktualität zu berauben. Wir sehen hier eine Schwierigkeit, sollte es sich zeigen, dass die Arbeit an dem Projekt auf rein ehrenamtlicher Ebene stattfinden muss. Denn hier können aufgrund von finanziellen persönlichen Engpässen Zeitverschiebungen auftauchen, die den Aktualitätsgehalt der Informationen einschränken und so evtl. zu doppelter Arbeit führen. Um dieses Problem realistisch anzugehen, möchten wir eine Honorarstelle einrichten, die ein planmäßiges Erscheinen des Buchprojekts gewährleisten kann.
Ein weiteres Problem bildet die Sprachauswahl, denn diese wird sich zwangsläufig an den größten in Berlin vertretenen Sprachgruppen orientieren. Das führt dazu, dass eben genau die Minderheiten, die nicht auf Informationen von vorhandenen Netzwerken zurückgreifen können, weiterhin keinen Zugang zu den dringend benötigten Hinweisen über Möglichkeiten in dieser Gesellschaft bekommen. Wir können diesem Problem durch eine mögliche Öffnung der Mitarbeit an der Internet-Seite begegnen, so dass dort auch Informationen in „kleineren“ Sprachen veröffentlicht werden können. Eine vollständige Barrierefreiheit werden wir allerdings, beispielsweise für AnalphabetInnen nicht erreichen können.
Phase 1: Planung, Vereinsgründung, Struktur / Organisation, Webseite
Phase 2: Fundraising, erste Gespräche mit Betroffenen und
Beratungseinrichtungen
Phase 3: Recherche, Texte verfassen
Phase 4: Texte redigieren und übersetzen
Phase 5: Layout
Phase 6: Druck; parallel: Eingabe auf Webseite
Phase 7: Herausgabe und Verteilung
Phase 8: Follow-up / Evaluation
Phase 9: Neuplanung / Vorbereitung nächste Auflage
Die Umsetzung des Hamburger Navigators hat bestimmte Kosten verursacht. Wir orientieren uns teilweise an dem Finanzplan dieses Projektes. Es ist jedoch davon auszugehen, dass das Budget für die Berliner Ausgabe höher zu veranschlagen ist.
Das ergibt sich daraus, dass:
- der Flüchtlingsführer in Berlin aufgrund der Größe der Stadt und der damit verbundenen Vielzahl an Beratungseinrichtungen umfangreicher ausfallen wird,
- zumindest eine zusätzliche Sprache (insgesamt 6) aufgenommen werden soll und
- auch aufgrund der Auswahl der Sprachen (u.a. Arabisch) eher mit einer Kostensteigerung zu rechnen ist.
die Erfahrungen des Hamburger „Navigator“ zeigen, dass mindestens eine halbe bezahlte Stelle benötigt wird, da die Arbeit am Projekt trotz hohem Motivationsgrad sehr schleppend vorangeht, wenn sie ausschließlich neben der Lohnarbeit geschehen muss, auch muss zeitweise ein kontinuierlicher Kontakt zu den Beratungsstellen gehalten werden.
Eine Projektfinanzierung ausschließlich aus den Mitteln der Stadt Berlin, ist – zumindest derzeit – nicht realistisch.
Der Verein ‚Berlin Pilot – Stadtführer für Flüchtlinge und MigrantInnen’ muss sich deshalb um Gelder aus anderen öffentlichen und nicht-öffentlichen Quellen bemühen. Geplant ist die Anwerbung von Spenden von privaten und öffentlichen Trägern sowie kreative Geldsammelaktionen (Konzerte etc.) und u.U. die Einrichtung einer Fördermitgliedschaft. Um die Attraktivität einer Spende zu erhöhen, ist der Verein bemüht, so schnell wie möglich den Status der Gemeinnützigkeit zu erlangen.
Der Verein ‚Berliner Pilot – Stadtführer für Flüchtlingen und MigrantInnen’ will neben seinem Hauptziel – der Hilfestellung für neu in Berlin eingetroffenen MigrantInnen – zu einer stärkeren Vernetzung im lokalen Engagement und zur Netzwerkbildung zwischen den verschiedenen Initiativen, Beratungseinrichtungen und Anlaufstellen beitragen. Der Verein arbeitet mit Einzelpersonen, Gruppen und anderen Vereinen zusammen, die bereits seit Jahren in den Bereichen Flucht und Migration engagiert sind.
Der Verein ‚Berlin-Pilot – Stadtführer für Flüchtlinge und MigrantInnen’ ist ein Zusammenschluss von verschiedenen Privatpersonen, die in ihrer privaten oder beruflichen Leben und Tätigkeit unterschiedlichste Berührungspunkte mit dem Thema Migration haben. Der Verein ist selbstlos tätig und verfolgt ausschließlich gemeinnützige bzw. wohltätige Zwecke. Zurzeit läuft das Verfahren der Eintragung in das Vereinsregister sowie der Anerkennung der Gemeinnützigkeit seitens des Finanzamtes.
Die Arbeit des Vereins wird von außen durch das Engagement und die Mitwirkung vieler Einzelpersonen unterstützt. Mitglied des Vereins kann jede natürliche Person werden. Juristische Personen und andere Vereinigungen können dem Verein als korporative Mitglieder beitreten.